Dass diese ausufernden Zwischensequenzen in modernen Spielen ausschließlich da sind, um Ladezeiten zu kaschieren, glaube ich nicht. Bei der Häufigkeit und Länge dieser Filmchen kann ich mir das wirklich nicht vorstellen, dass es da jedes Mal laden würde und v.a. eben so lang.
Dass Spiele heutzutage mit dieser Aufmachung daherkommen, ist doch pure Absicht; siehe diese unendlich bescheurte Kopftransplantations-Szene aus Wolfenstein 2: New Colossus. Das ist einfach nur unnötig auf jeder Ebene und existiert nur, um zu schocken und um eine filmhafte Darstellung aufrechtzuerhalten. Ganz sicher hätte das Spiel an dieser Stelle nicht 8 Minuten lang geladen.
Was das mit dem Laden auch noch widerlegt:
Beweisstück A: Witcher 3. Und zwar die erzählten Standbilder, wenn man das Spiel vom Menü aus lädt. Mehrere von diesen Erzählungen sind so lang, dass es vorher fertig geladen hat und man den Rest davon überspringen kann.
Dazu noch die permanenten Dialoge, die ich übrigens ebenfalls zu "Zwischensequenzen" zähle, was deren Inszenierung geschuldet ist und der Tatsache, dass es quasi immer nur eine "richtige" Dialogoption gibt, die auch noch farblich entsprechend unterlegt ist. Die kaschieren auf jeden Fall keine Ladezeiten, sondern sind Absicht.
Und so wunderschön Priscillas Lied auch ist - für das Spiel an sich war die Szene ganz sicher nicht notwendig, sondern für den filmreifen Inszenierungsstil, den die Entwickler gewählt haben.
Beweisstück B: Wolfenstein: Old Blood. Hat mich interessiert, ob das bei New Order noch jemanden außer mich so dermaßen gestört hat. Bei den Reviews zu Old Blood wurde ich dann fündig, wo Leute schrieben, dass da im Gegensatz zu New Order fast keine Zwischensequenzen wären. Hab mir dann noch Stichprobenartig das Ding auf YouTube angesehen und siehe da, sie scheinen recht zu haben. Dabei ist Old Blood neuer als New Order und von der Größe her fast identisch. Da müsste der Bedarf an Ladebalken-Kaschierung im Prinzip doch gleich sein? Was mich in meiner Annahme bestätigt, dass das bei New Order eben Absicht ist, das Spiel möglichst filmreif zu inszenieren.
Beweisstück C: Doom 2016. Ist neuer und deutlich größer als Wolf: New Order, von daher dürften auch die Ladezeiten länger sein und damit der Bedarf an Kaschierung höher. Aber nee, das Ding hat fast keine einzige Zwischensequenz, das ist einfach nur Spiel durch und durch.
Dann bleiben immer noch meine anderen Kritikpunkte an dem Spiel, nämlich
1. Das Gameplay an sich und
2. Das mit dem Deutsch.
Zu 1.: man hat Schleichpassagen, diese Miniaufgaben gleich zu Beginn im Flugzeug und sowas abgrundtief bescheuertes, wie das Tragen der Kaffeetassen durch den Zug und das Auswählen von Fotos als Test.
Das ist eine moderne Erscheinung, dass Spiele mehr sein wollen, als ihr Genre ihnen eigentlich ermöglicht.
Früher waren Shooter noch Shooter - siehe F.E.A.R., das im Prinzip ein moderneres Doom/Wolf 3D ist; man navigiert Level, schafft sich Durchgänge und ballert, ballert, ballert. Da hätte Monolith auch alle 10 Minuten so eine Zwischensequenz wie direkt am Anfang reinquetschen können, oder sich bescheuerte Aufgaben ausdenken können. Haben sie aber nicht, weil sie einen Shooter machen wollten und nicht das, was auch immer New Order darstellen soll.
Zu 2.: auch das mit den Sprachen ist eine moderne Erscheinung, siehe RtCW und Wolf2009, wo beide Male auf deutsche Sprüche bei der englischen Fassung verzichtet wurde. Und die popeligen Sätze von Wolf3D "MEIN LEBEN!" lasse ich nicht gelten, das kann man gar nicht vergleichen mit New Order, wo ganze Passagen nur auf Deutsch sind.
Das sieht man auch ganz wundervoll bei modernen Rollenspielen, wo alle auf einmal mit Dialekt reden und erfundene Fremdwörter verwenden. Zu Zeiten von Neverwinter Nights oder auch den moderneren Vertretern, wie Dragon Age oder Jade Empire hat man stinknormales Englisch geredet.
Fazit also für mich: alles, was mich an New Order stört, sind Elemente, die man heutzutage bei zig großkalibrigen Spielen findet, wenn nicht sogar bei der Mehrheit - und das war vor 15 Jahren sicher noch nicht in dieser Häufigkeit der Fall.
Also bleibe ich dabei: moderne Spiele sind einfach nicht meins.