Dying Light: Die Spielmechaniken sind klasse und deutlich verbessert gegenüber Dead Island. Das Nahkampfsystem, die drei Fertigkeitsbäume und die Parkour-Mechanik funktionieren mMn extrem gut. Die Fernkampfwaffen sind nicht ganz so gut gelungen, aber immer noch gut. Die Atmosphäre ist überzeugend. Die Musik auch. Die Grafik ist ebenfalls gut. Anscheinend war dies zum Veröffentlichkeitszeitpunkt schlechter, da einige nervige Effekte/Shader nicht deaktivierbar waren.
Aber (ACHTUNG SPOILER): Die Geschichte ist noch schlechter als die von Dead Island. Der menschliche Erzfeind (ja, dieses eher peinliche Wort trifft es ganz gut) ist eine extrem überzeichnete psychopathische Parodie eines Psychopathen. Die Motivation des Hauptcharakters auf Befehl der bösen Frauenstimme alle Vorräte eines Medikaments zu zerstören, das er selbst zum Überleben (bis zum Tod) benötigt ist bestenfalls fragwürdig. Als Spieler kann dies nicht verhindert werden. Dabei lässt er ein Röhrchen des Medikaments übrig, das zu einem späteren Zeitpunkt des Spiels essentiell wäre, aber zu diesem Zeitpunkt von den Autoren vergessen wurde! Somit ist diese lebensbedrohliche Entscheidung eigentlich hinfällig und man kommt sich als Spieler mit Kurzzeitgedächtnis von der eigenen Spielfigur verarscht vor.
Die Nebenmissionen sind größtenteils schlüssig und teilweise amüsant, obwohl es vielmals darum geht irgendwelche Gegenstände anzuliefern. Negativ fallen zwei Nebenmissionen auf, in denen spezielle Gegenstände (Sprühflaschen, Schmerzmittel und noch irgendein Apothekenartikel) eingesammelt werden müssen, die im normalen Spielverlauf nicht existieren. Sie erscheinen nur in der Spielwelt, wenn die zugehörige Nebenmission aktiv ist.
Die Hauptmissionen sind durchwachsen. Einige Teile sind spielerisch sehr gut, z.B. die Erkundung des Schulgebäudes und das Eindringen in das gegnerische Hauptquartier. Allerdings beinhalten sie fast alle Interaktionen mit der lächerlichen Psychopathenparodie, der tatsächlich ein Jackett ohne Hemd bauchfrei trägt und dabei seine hässlichen Tattoos mit umkringelten Bauchnabel zur Schau stellt. Dabei bringt er stets einige seiner eigenen Leute um und befiehlt dem Rest die Leichen der in Ungnade gefallenen Toten zu entfernen, was diese natürlich gerne machen.
In zwei dieser Situationen nimmt das Spiel dem Spieler alle Waffen und sonstige Ausrüstungsgegenstände weg, was in einem Spiel, dessen Kampfsystem auf einer Vielzahl von gefundenen und mit anderen gesammelten Gegenständen verbesserten Waffen basiert noch nerviger ist als sonst. Immerhin ist die Ausrüstung nicht dauerhaft verloren, sondern kann im Anschluss wieder abgeholt werden.
Der unvermeidliche, da vom Erzfeind permanent durch gezielte Eskalation herbeigeführte Kampf gegen die Psychopathenparodie ist ebenfalls schlecht gemacht, da aus unerklärlichen Gründen plötzlich auf QTEs zurückgegriffen wurde. Der Abschnitt, der auf diesen Kampf zusteuert ist ebenfalls ein Bruch mit den restlichen Spiel, da hier nicht mehr die Wahl zwischen Kampf und Parkour besteht.
Ein nützlicher Bewegungsmodus, der im Spielverlauf durch Fertigkeiten erlangt werden kann wird ebenfalls durch fadenscheinige Begründungen entfernt.
Das Ende des Spiels wird von vielen Spielern als unbefriedigend betrachtet. Ich habe das Ende noch nicht gespielt, aber ich kenne es, da ich disis Videos des Spiels gesehen habe.
Ab hier noch mehr Spoiler zur Erweiterung: Die Erweiterung bietet die Wahl zwischen zwei Enden: 1. Die zum Zombie gewordene Spielerfigur durchbricht die Quarantäne und zerstört die Welt. 2. Die Stadt und das Umland werden bombardiert. Beide Möglichkeiten zerstören alles, was zuvor im Verlauf des Spiels erreicht wurde. So oder so: Alle Figuren, die im Spiel vorkommen, sind tot.
Zur Ankündigung des zweiten Teils: Der zweite Teil wird damit beworben, dass nur noch eine einzige Stadt der Welt existiert, also scheint Ende 1 der Erweiterung die offizielle Version zu sein.